Erststudium – Sonderausgabenabzug oder Werbungskosten?

Erststudium-Werbungskosten oder Sonderausgabenabzug?

Können Studenten Kosten für ein Erststudium als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen oder nur als Sonderausgabenabzug? Mit dieser Frage befasst sich aktuell das Bundesverfassungsgericht und wird diese Frage noch in diesem Jahr beantworten. Erfahren Sie hier mehr über die derzeitige Gesetzeslage und warum die Unterscheidung zwischen Werbungskosten und Sonderausgabenabzug überhaupt so wichtig ist.

Wer kann Studienkosten von der Steuer absetzen?

Für die meisten Studenten im Masterstudium und nach abgeschlossener Berufserstausbildung ist die Gesetzeslage eindeutig: Sie können grundsätzlich alle Studienkosten als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen und diese über die Studienjahre als Verlust vortragen. Voraussetzung ist, dass sie während des Studiums keine oder nur geringe Einkünfte hatten.

Hinweis: Ein Masterstudium kann jedoch auch Teil einer einheitlichen Erstausbildung sein und im Rahmen Ihrer Steuererklärung nicht als Zweitausbildung anerkannt werden. Und zwar dann, wenn es zeitlich und inhaltlich auf den vorangegangenen Bachelorstudiengang abgestimmt ist (sog. konsekutives Masterstudium).

Aktuelle Gesetzeslage Erststudium

Die bestehende Gesetzeslage sieht für Studenten, die ein Erststudium absolvieren, jedoch anders aus. Als Student können Sie Ihre Kosten für ein Erststudium zur Zeit nur im Rahmen der Sonderausgaben bis zu einer Höhe von 6.000 € im Jahr geltend machen. Der Nachteil hierbei ist, dass wenn Sie als Student keine Einkünfte haben, der Sonderausgabenabzug keinen Effekt hat. Denn im Gegensatz zu vorweggenommenen Werbungskosten, die im Zusammenhang mit (zukünftigen) Einkünften stehen, kann man mit Sonderausgaben keine negativen Einkünfte kreieren und diese mit zukünftigen positiven Einkünften verrechnen.

Bundesverfassungsgericht muss Entscheidung treffen

Beim Bundesverfassungsgericht sind derzeit mehrere Musterklagen anhängig. Die Kläger fordern, dass auch Studenten im Erststudium ihre Kosten als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen dürfen. Die Verluste werden dann in einem sog. Verlustfeststellungsbescheid festgehalten und mit zukünftigen Einkünften steuersparend verrechnet. Auch die Bundesrechtsanwaltskammer, welche um eine Stellungnahme gebeten wurde, hat sich der Ansicht des BFH angeschlossen, der den Abzug lediglich als Sonderausgaben für verfassungswidrig hält.

Wie geht’s nun weiter?

Es bleibt also abzuwarten wie das Bundesverfassungsgericht entscheidet. Die Zeichen mehren sich jedoch, dass auch das Bundesverfassungsgericht die derzeitige Gesetzeslage für verfassungswidrig hält und sich für den vorweggenommenen Werbungskostenabzug im Erststudium bzw. in der Erstausbildung aussprechen wird.

Empfehlung: Sammeln Sie alle Ihre Belege über Ausgaben, die im Zusammenhang mit Ihrem Studium oder Ihrer Ausbildung stehen, um diese in Ihrer Steuererklärung steuermindernd zu berücksichtigen.

Sobald das Bundesverfassungsgericht seine Entscheidung verkündet hat, informieren wir Sie natürlich hier in unserem Blog über die Entscheidung.

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