Kinder in der Steuererklärung

Kinder in der Steuererklärung berücksichtigen

Wie Sie sicherlich wissen, können Sie Ihre eigenen Kinder unter bestimmten Voraussetzungen in der Steuererklärung berücksichtigen, was zu Steuerersparnissen führt. Doch welche Voraussetzungen müssen hierfür genau erfüllt werden und welche Kosten können abgesetzt werden? Wie unterscheiden sich Kindergeld und der Kinderfreibetrag?

Kind ist nicht gleich Kind

Zunächst einmal ist wichtig zu wissen, dass sowohl leibliche Kinder als auch Pflegekinder, adoptierte oder angenommene Kinder in der Steuererklärung berücksichtigt werden können. Kinder können grundsätzlich ab dem Monat der Geburt bis einschließlich zu dem Monat berücksichtigt werden, in dem sie das 18. Lebensjahr vollenden. Grundsätzlich besteht für Kinder bis zur Volljährigkeit ein Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag, meist ohne weitere Voraussetzungen.

Volljährige Kinder

Erfüllt Ihr Kind darüber hinaus bestimmte Voraussetzungen, können Sie es auch nach Vollendung des 18. Lebensjahres steuerlich berücksichtigen. Dabei gelten die folgenden Grenzen:

  • Ein Kind kann bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres berücksichtigt werden, wenn es sich nicht in einem Beschäftigungsverhältnis befindet und bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend gemeldet ist.

Darüber hinaus kann ein Kind sogar bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres berücksichtigt werden, wenn es eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt:

  • Ihr Kind befindet sich in einer Ausbildung. Dabei kann es sich sowohl um eine Schulausbildung, eine Berufsausbildung oder ein Studium handeln.
  • Ihr Kind befindet sich in einer Übergangszeit von höchstens vier Monaten zwischen zwei Ausbildungsabschnitten.
  • Ihr Kind leistet ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr, einen Freiwilligendienst oder einen anderen Dienst im Ausland.
  • Ihr Kind ist aufgrund einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung, die bereits vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten ist, außerstande, sich selbst zu unterhalten.

Grundsätzlich gelten die o.g. Regelungen nur für Kinder, die nicht bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben.

Es gibt jedoch die Möglichkeit, ein Kind auch nach Abschluss der ersten Berufsausbildung oder eines Erststudiums zu berücksichtigen. Bedingung dafür ist, dass das Kind nach Abschluss der Berufsausbildung keiner Tätigkeit nachgeht. Eine Tätigkeit, die eine wöchentliche Arbeitszeit von maximal 20 Stunden vorsieht, ist jedoch möglich. Das gleiche gilt für Ausbildungsverhältnisse und geringfügige Beschäftigungen (sog. Minijobs), so lange nur eine einzige Tätigkeit ausgeübt wird.

Kindergeld oder Kinderfreibetrag?

Haben Sie alle Voraussetzungen geprüft und stellen fest, dass es sich bei Ihrem Kind um ein steuerlich zu berücksichtigendes Kind handelt, besteht Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag. Doch was genau ist eigentlich der Unterschied?

Das Kindergeld wird durch die Familienkasse und ausschließlich auf Antrag ausgezahlt. Jeder, der die o.g. Voraussetzungen erfüllt kann Kindergeld beantragen.

Hinweis: Für Anträge ab 2018 können Sie das Kindergeld nur noch für die letzten 6 Monate rückwirkend beantragen. Man sollte sich daher frühzeitig um die Beantragung des Kindergeldes kümmern.

Der Kinderfreibetrag wird unter bestimmten Voraussetzungen im Rahmen Ihrer Einkommensteuerveranlagung beim Finanzamt gewährt. Das Finanzamt prüft dann, ob die Berücksichtigung von Kindergeld oder die Ausschöpfung des Kinderfreibetrags für Sie zu einem steuerlich günstigeren Ergebnis führt. Sollte der Abzug des Kinderfreibetrags für Sie die günstigere Option sein, erhalten Sie je Kind einen Freibetrag in Höhe von 3.714 € (sog. halber Freibetrag).

Werden Sie als Ehegatten zusammen veranlagt und steht Ihr Kind zu beiden Elternteilen in einem Kindschaftsverhältnis, verdoppelt sich der Kinderfreibetrag (sog. ganzer Freibetrag) auf 7.428 €.

Hinweis: Sie können außerdem den doppelten Freibetrag in Anspruch nehmen, wenn z.B. Ihr Ehegatte verstorben ist.

Vergünstigungen für Alleinerziehende

Alleinerziehende erhalten neben dem Kinderfreibetrag oder dem Kindergeld einen Entlastungsbetrag für Alleinerziehende in Höhe von 1.908 €. Für jedes weitere Kind gibt es neben dem Entlastungsbetrag einen Zuschlag in Höhe von 240 €. Aber auch für den Begriff „Alleinerziehende/r“ hat der Gesetzgeber eine bestimmte Definition. Demnach verfällt Ihr Anspruch auf den Entlastungsbetrag bereits, wenn Sie eine Haushaltsgemeinschaft mit einer anderen, volljährigen Person bilden, welche nicht ein steuerlich zu berücksichtigendes Kind ist.

Weitere abzugsfähige Kosten

Neben dem Kindergeld oder den Kinderfreibeträgen profitieren Eltern aber auch von anderen steuerlichen Vorteilen denn der Gesetzgeber erlaubt, einige im Zusammenhang mit dem Kind entstandene Kosten von der Steuer abzusetzen.

Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge

Sie können die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung Ihres Kindes im Rahmen des Sonderausgabenabzugs in Ihrer Steuererklärung berücksichtigen. Dabei ist es unerheblich, ob Sie selbst oder Ihr Kind der Versicherungsnehmer ist.  Die einzige Bedingung besteht darin, dass es sich bei Ihrem Kind um ein steuerlich zu berücksichtigendes Kind handelt.

Ausbildungsfreibetrag

Für volljährige Kinder, die sich in einer Berufsausbildung befinden und auswärtig untergebracht sind, können Sie den sog. Ausbildungsfreibetrag geltend machen. Dieser beträgt 924 € pro Jahr und knüpft an die Bedingung, dass Sie für Ihr Kind Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag haben. Für jeden Monat, in dem die Voraussetzungen nicht vorgelegen haben, kürzt Ihnen das Finanzamt den Ausbildungsfreibetrag um 1/12.

Kinderbetreuungskosten

Handelt es sich bei Ihrem Kind um ein steuerlich zu berücksichtigendes Kind, ist es in Ihrem Haushalt gemeldet und hat das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet, können Sie 2/3 der Kosten für die Betreuung Ihres Kindes als Sonderausgaben in Ihrer Steuererklärung berücksichtigen. Der Abzug ist bis maximal 4.000 € möglich.

Abzugsfähig sind beispielsweise Kosten

  • für die Unterbringung in KiTa’s
  • für Tagesmütter,
  • für die Beschäftigung von Kinderpflegerinnen oder Erzieherinnen

Vom Abzug ausgeschlossen sind Kosten für die Freizeitbetätigung oder die Verpflegung. Der Abzug bleibt Ihnen ebenfalls verwehrt, wenn Sie die Zahlung der Kosten nicht mit einer Rechnung und dem zugehörigen Überweisungsbeleg nachweisen können. Barzahlungen erkennt das Finanzamt nicht an

Schulgebühren

Besucht Ihr Kind eine private Schule und handelt es sich bei Ihrem Kind um ein steuerlich zu berücksichtigendes Kind, können Sie 30 % der Schulgebühren, maximal jedoch 5.000 €,  von der Steuer absetzen. Kosten für die Beherbergung, Betreuung und Verpflegung dürfen Sie hier allerdings nicht berücksichtigen. Die Kosten für die Beherbergung und Betreuung sind bereits in dem o.g. Ausbildungsfreibetrag und Kinderbetreuungskosten enthalten. Der Abzug von Verpflegungskosten ist in keinem Fall möglich.

Das Kind als außergewöhnliche Belastung

Zahlen Sie weiterhin für die Berufsausbildung oder den Unterhalt Ihres Kindes haben aber keinen Anspruch mehr auf Kindergeld oder den Freibetrag müssen diese Kosten nicht unberücksichtigt bleiben. Ihr Kind gilt als unterhaltsberechtigte Person und fällt daher unter eine Regelung, die der Gesetzgeber „außergewöhnliche Belastung“ nennt. Die Kosten sind bis zu einem Betrag in Höhe von 9.000 € abzugsfähig. Der Betrag erhöht sich um die Beiträge, die Sie für die Kranken- und Pflegeversicherung Ihres Kindes aufwenden. Damit sich der Höchstbetrag nicht wieder schmälert, darf Ihr Kind jedoch maximal 624 €  im Jahr selbst verdienen.

Besonderheit – Auslandskinder

Lebt Ihr Kind im Ausland bedeutet das nicht gleich, dass Sie den Anspruch auf deutsches Kindergeld, Kinderfreibeträge oder den Abzug von Kosten im Zusammenhang mit Ihrem Kind verlieren. Bei Ermittlung der abzugsfähigen Kosten werden jedoch die Verhältnisse des jeweiligen Staates, in dem Ihr Kind ansässig ist, berücksichtigt und die Beiträge entsprechend gekürzt.

Hinweis: Wenn Sie bereits ausländisches Kindergeld bekommen, erhalten Sie in Deutschland ggf. kein Kindergeld oder es erfolgt eine Verrechnung mit dem im Ausland gezahlten Kindergeld.

Besonderheit – Trennungskinder

Nach einer Trennung ergeben sich einige steuerliche Herausforderungen in Bezug auf die Berücksichtigung Ihrer Kinder in der Steuererklärung. Das Kindergeld erhält nur ein Elternteil. Grundsätzlich erhält das Kindergeld der Elternteil, bei dem das Kind gemeldet ist. Ist der andere Elternteil unterhaltspflichtig, reduziert sich der zu zahlende Unterhalt um die Hälfte des Kindergeldes.

Grundsätzlich stehen Ihnen und Ihrem geschiedenen Ehegatten jeweils ein halber Kinderfreibetrag zu. Manchmal kommt es aber auch vor, dass einer der Ex-Partner seinen Unterhaltsverpflichtungen gegenüber dem Kind nicht- oder nicht vollständig nachkommt. Sie können dann die Übertragung des Kinderfreibetrages beantragen und erhalten in der Folge den vollen Freibetrag für Ehegatten.

3 Antworten auf „Kinder in der Steuererklärung“

  1. Ich werde demnächst meine Steuererklärung einreichen und habe mich gefragt inwiefern ich mein Kind darin berücksichtige und ob ich auf alle Aspekte geachtet habe. Wie Sie anführen, hat man von der Geburt bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres diese Möglichkeit. Vielen Dank für die Tipps und Anregungen zur Berücksichtigung von Kindern in der Steuer, ich werde dies mit meinem Steuerberater besprechen.

  2. Ich bin gerade in der Trennungsphase und hatte daran nicht gedacht, wie diese meine Steuererklärung ändern kann. Vor allem bezüglich der Berücksichtigung meinen Kindern muss ich mich dann beim Steuerberater weiter informieren. Ich wusste nicht, dass der Unterhalt sich um die Hälfte des Kindergeldes reduziert.

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