Steuerliche Behandlung von Anlagevermögen

Anlagevermögen

Als Unternehmer erfassen Sie in Ihrer Buchhaltung und in Ihrer jährlichen Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) oder Bilanz Ihre Vermögenswerte, Einnahmen und Ausgaben. Bestimmte Aufwendungen haben jedoch einen besonderen Charakter und werden gesondert behandelt. Eine besondere Form der Aufwendungen ist das Anlagevermögen, um welches es in diesem Beitrag geht.

Was ist Anlagevermögen?

Anlagevermögen stellen Vermögensgegenstände dar, die dem Unternehmen dauerhaft dienen. Anlagevermögen sind nicht nur körperliche Gegenstände, sondern auch Rechte oder Finanzanlagen. Voraussetzung ist lediglich, dass der materielle oder immaterielle Gegenstand längerfristig im Unternehmen verbleibt und dort genutzt wird.

Beispiel:

Für Ihre betriebliche Tätigkeit kaufen Sie einen Multifunktions-Drucker für 900,00 € und Kopierpapier für 50,00 €. Der Drucker ist ein Gegenstand, den Sie voraussichtlich für eine längere Zeit im Unternehmen nutzen werden. Es handelt sich somit um Anlagevermögen, das in Ihrer Buchführung, EÜR oder Bilanz eine besondere Berücksichtigung findet. Bei dem Kopierpapier handelt es sich um eine gewöhnliche Ausgabe für Büromaterial, das voraussichtlich innerhalb der nächsten Zeit verbraucht sein wird und dem Unternehmen nicht längerfristig zugeordnet wird.

Das Anlagevermögen in der Buchführung

Kosten für Gegenstände, die als Anlagevermögen zu kategorisieren sind, können nicht einfach in voller Höhe in der Buchführung gewinnmindernd berücksichtigt werden.

Grundfall:

Die Anschaffungskosten eines Gegenstandes müssen über einen bestimmten Zeitraum, der sog. Nutzungsdauer, verteilt werden. Das bedeutet, dass jedes Jahr immer nur ein Teil der Kosten gewinnmindernd berücksichtigt werden darf. Dieser Vorgang nennt sich lineare Abschreibung von Anlagevermögen. Es gibt darüber hinaus noch weitere Abschreibungsmethoden, auf die hier aus Vereinfachungsgründen nicht weiter eingegangen wird.

Hinweis: Anders ist es bei der Vorsteuer. Sind Sie als Unternehmer zum Vorsteuerabzug berechtigt, dürfen Sie die Vorsteuer zum Zeitpunkt des Kaufs des Gegenstands in voller Höhe geltend machen.

Was sind Anschaffungskosten?

Die Anschaffungskosten eines Gegenstandes sind grundsätzlich der Kaufpreis abzüglich der Vorsteuer (sofern Sie zum Vorsteuerabzug berechtigt sind).

Beispiel:

Sie kaufen im August 2018 ein Fahrzeug für 23.800,00 € brutto. Zum Zeitpunkt der Anschaffung verlangt der Händler zudem Überführungskosten in Höhe von 119,00 € brutto.

Berechnung:

Fahrzeug                                  23.800,00 €
+Überführung                                119,00 €
./. Vorsteuer                               3.819,00 €  (3.800 € + 19 €)
Anschaffungskosten     20.100,00 €

Nachträgliche Anschaffungskosten

Es können darüber hinaus Kosten zu den Anschaffungskosten zählen, die nicht direkt zum Zeitpunkt des Kaufs angefallen sind (sog. nachträgliche Anschaffungskosten). Diese werden nachträglich zu den Anschaffungskosten addiert.

Beispiel: 

Im Dezember 2018 kaufen Sie für 357,00 € brutto einen Satz Sommerreifen für Ihr Fahrzeug, welches bisher nur mit Winterreifen ausgestattet war.

Berechnung:

Anschaffungskosten Fahrzeug                        20.100,00 €
+Sommerreifen                                                               357,00 €
./. Vorsteuer                                                                         57,00 €
Korrigierte Anschaffungskosten             20.400,00 €

Nutzungsdauer eines Gegenstands

Die Nutzungsdauer gibt an, wie lange der Gegenstand dem Unternehmen voraussichtlich dienen wird, ehe er wertlos ist. Wertlos wird ein Gegenstand dadurch, dass er aufgrund seiner Alterung verschleißt oder komplett unbrauchbar wird und dadurch auf dem Markt voraussichtlich keinen Verkaufspreis mehr erzielen wird.

Die Nutzungsdauer wird üblicherweise nach der amtlich von den Finanzbehörden veröffentlichten Abschreibungs-Tabelle berechnet. In dieser hat der Fiskus die übliche Nutzungsdauer für Gegenstände jeglicher Art festgelegt. In begründeten Fällen kann hiervon jedoch abgewichen werden.

Beispiel:

Sie kaufen im Januar 2018 einen Schreibtisch für 1.190,00 € brutto. Die Nutzungsdauer für Büromöbel beträgt laut AfA-Tabelle 13 Jahre. Der Vorsteuerbetrag in Höhe von 190,00 € ist im Monat Januar 2018 als Vorsteuer abziehbar. Der Restbetrag, also die Anschaffungskosten, muss auf einen Zeitraum von 13 Jahre aufgeteilt werden.

1.000 € / 13 Jahre Nutzungsdauer = jährlicher Betrag in Höhe von 76,92 €.

Ihr Gewinn verringert sich somit durch den Kauf des Schreibtisches in den nächsten 13 Jahren um jährlich 76,92 €.

Afa-Tabellen im Internet

Eine Übersicht über die übliche Abschreibedauer allgemein verwendbarer Anlagegüter können Sie hier herunterladen:

Allgemein verwendbare Anlagegüter

Branchenspezifische Abschreibungstabellen finden Sie auf der Seite des Bundesfinanzministeriums:

Branchenspezifische Abschreibungstabellen

Anlagevermögen im Anlagenverzeichnis

Als Unternehmer müssen Sie für das Anlagevermögen ein gesondertes Verzeichnis, das sog. Anlagenverzeichnis führen. Dort wird der Gegenstand mit seinem Anschaffungsdatum, den Anschaffungskosten, den AfA-Beträgen (AfA = Absetzung für Abnutzung) und den entsprechenden Restbuchwerten zum Jahresende aufgeführt. In der Regel übernimmt die Aufstellung eines Anlagenverzeichnisses Ihre jeweilige Software direkt aus der Buchführung heraus.

Besondere Form von Anlagevermögen – Geringfügige Wirtschaftsgüter

Geringfügige Wirtschaftsgüter (sog. GWGs) unterliegen besonderen Vorschriften bei der Gewinnermittlung. Die Voraussetzungen dafür sind:

  • Der Gegenstand ist selbstständig nutzbar.
  • Die Anschaffungskosten für den Gegenstand  befinden sich innerhalb der entsprechenden Euro-Grenzen.

Was bedeutet selbstständig nutzbar?

Ein Gegenstand ist nicht selbstständig nutzbar, wenn er nur in Verbindung mit anderen Gegenständen gebraucht werden kann.

Beispiel:

Sie kaufen einen Monitor für Ihren PC für 80,00 €, eine Bürolampe für 100,00 €, einen Rollcontainer für 357,00 € sowie einen Schreibtisch für 963,90 €. Der Monitor funktioniert nur im Zusammenspiel mit dem PC. Er erfüllt somit bereits die erste Voraussetzung für ein geringwertiges Wirtschaftsgut nicht und muss linear abgeschrieben werden. Die Bürolampe, den Rollcontainer und den Schreibtisch können Sie jedoch eigenständig benutzen. Somit  ist  die erste Voraussetzung erfüllt.

Die verschiedenen Euro-Grenzen

Vermögensgegenstände zwischen 0,01 € – 250,00 € netto

Für Gegenstände, die Anschaffungskosten in Höhe von 0,01 € – 250,00 € netto aufweisen gilt Folgendes: Die Anschaffungskosten können sofort im Jahr der Anschaffung abgeschrieben werden und müssen nicht über eine Nutzungsdauer verteilt werden. Darüber hinaus haben Gegenstände zwischen 0,01 € und 250,00 € den Vorteil, dass sie nicht gesondert in Ihrem Anlagenverzeichnis aufgeführt werden müssen.

Beispiel:

Die Nutzungsdauer der oben erwähnten Schreibtischlampe würde 12 Jahre betragen. Da sie jedoch Anschaffungskosten unter 250,00 € netto aufweist, kann sie als geringwertiges Wirtschaftsgut verbucht werden und die Kosten im Jahr der Anschaffung vollständig gewinnmindernd berücksichtigt werden.

Der Vorteil: Die Lampe muss nicht in das gesonderte Anlagenverzeichnis aufgenommen werden.

Vermögensgegenstände zwischen 250,01 – 800,00 € netto

Für Gegenstände, die diese Euro-Grenze erfüllen gilt selbiges wie oben. Die Anschaffungskosten können Sie direkt im Jahr der Anschaffung gewinnmindernd berücksichtigen. Eine Aufteilung über die Nutzungsdauer erfolgt nicht.

Die einzige Abweichung: Für Gegenstände dieser Art gilt die Pflicht zur Aufnahme in ein gesondertes Anlagenverzeichnis.

Beispiel:

Der Rollcontainer weist Anschaffungskosten in Höhe von 300,00 € netto auf und befindet sich somit im Bereich zwischen 250,01 € und 800,00 €. Er kann somit im Jahr der Anschaffung vollständig vom Gewinn abgezogen werden. Der Rollcontainer muss jedoch, anders als die Schreibtischlampe, in ein Anlagenverzeichnis aufgenommen werden.

Vermögensgegenstände zwischen 250,01 – 1.000,00 € netto – Poolabschreibung

Eine weitere Besonderheit bei der Wahl von Abschreibungsmethoden stellt die sog. Poolabschreibung dar.

Sie erlaubt es, Vermögensgegenstände, die eigentlich die Grenze von 800,00 € überschreiten und damit nicht mehr unter die Begünstigung der geringwertigen Wirtschaftsgüter fallen, über eine geringere Nutzungsdauer als die vorgesehene abzuschreiben. Alle Vermögensgegenstände, deren Anschaffungskosten sich zwischen 250,01 € und 1.000,00 € befinden, werden in einen sog. Pool zusammengefasst. Der sich daraus ergebende Wert wird dann auf eine Nutzungsdauer von fünf Jahren verteilt und abgeschrieben. Dies ist besonders bei Gegenständen, deren Nutzungsdauer eigentlich fünf Jahre übersteigt, vorteilhaft.

Beispiel:

Der oben erwähnte Schreibtisch hat grundsätzlich eine Nutzungsdauer von 12 Jahren. Bei den Anschaffungskosten von 810,00 € netto ergäbe dies einen jährlichen Abschreibungsbetrag in Höhe von 67,50 € (810 € /12 Jahre). Wird auf den Schreibtisch jedoch die Poolabschreibung angewendet, ergibt sich eine Abschreibung in Höhe von 162,00 € (810 € /5 Jahre) pro Jahr.

Problematik: Entscheiden Sie sich in einem Jahr dafür, die Poolabschreibung anzuwenden, müssen Sie diese für alle in dem Wirtschaftsjahr gekauften Gegenstände zwischen 250,01 € und 1.000,00 € anwenden. Dies kann unter Umständen von Nachteil sein.

Beispiel:

Entscheiden Sie sich, den Schreibtisch in den Pool aufzunehmen und über fünf Jahre abzuschreiben, müssen Sie diese Regelung auch auf den Rollcontainer – welcher eigentlich sofort hätte abgeschrieben werden können- anwenden, da die Anschaffungskosten des Rollcontainers ebenfalls zwischen 250,01 € und 1.000,00 € liegen.

Schreibtisch                    810,00 €
+ Rollcontainer             300,00 €
Summe                           1.110,00 €   

Der Wert des Pools beträgt 1.110,00 € und wird über fünf Jahre abgeschrieben.

Tipp: Die Entscheidung, ob Sie einen Pool bilden oder die Gegenstände einzeln nach den entsprechenden Vorschriften abschreiben, können Sie am Ende jedes Wirtschaftsjahres aufs Neue entscheiden. Es empfiehlt sich, die verschiedenen Möglichkeiten zu berechnen um die günstigste Methode wählen zu können.

 

 

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