Unterhaltszahlungen an Angehörige im Ausland – Stolperfallen vermeiden

Unterhaltszahlung an Angehörige

Wenn Sie Angehörige finanziell unterstützen, die im Ausland leben, können Sie diese Unterhaltszahlungen im Rahmen Ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung absetzen. Doch hier heisst es aufpassen, denn das Finanzamt schaut bei Zahlungen ins Ausland genau hin. Die nachfolgenden Stolperfallen sollten Sie beachten, dann steht dem Abzug Ihrer Kosten nichts mehr im Wege.

Grundsätzliches zum Abzug von Unterhaltsleistungen

Unterhaltszahlungen an unterhaltsberechtigte Angehörige stellen eine außergewöhnliche Belastung dar. Der abziehbare Höchstbetrag in 2017 beläuft sich auf 8.820 € und in 2018 auf 9.000 €.

Doch wer ist überhaupt unterhaltsberechtigt?

Unterhaltsberechtigt sind mit dem Unterhaltsverpflichtenden in gerader Linie verwandte Personen (Eltern, Kinder, Enkelkinder), Ehegatten und gesetzlich gleichgestellte Personen.

Hinweis: Bei Ehegatten oder eingetragenen Lebenspartnern in intakter Ehe ist der Abzug von Unterhaltszahlungen nicht möglich.

Bedürftigkeit der Empfänger

Die Unterhaltsberechtigung setzt die Bedürftigkeit des Betroffenen voraus. Der Unterhaltsberechtigte ist bedürftig, wenn er außerstande ist, sich selbst zu unterhalten (wegen Vermögenslosigkeit bzw. eines geringen Vermögens) und seiner Erwerbspflicht nicht nachkommen kann (z.B. wegen seines Alters, Gesundheitszustandes oder seiner Berufsausbildung). Wertmäßig wird ein „geringes Vermögen“ bezeichnet, dass 15.500 € nicht übersteigt.

Einschränkungen für Unterhaltszahlungen an Personen im Ausland

Für Unterhaltszahlungen an Personen, die im Ausland leben, gelten Einschränkungen. Sie können die Zahlungen nur dann absetzen, wenn sie nach den Verhältnissen des Wohnsitzstaates notwendig und angemessen sind. Je nach Land kann es daher zu Kürzungen kommen. Es gibt eine so genannte Ländergruppeneinteilung, die die Höhe des abzusetzenden Betrages festlegt:

Gruppe 1Absetzbarkeit in voller Höhe 8.820 €
Gruppe 2Absetzbarkeit zu 3/46.615 €
Gruppe 3Absetzbarkeit zu 1/24.410 €
Gruppe 4Absetzbarkeit zu 1/42.205 €

Hier finden Sie die Ländergruppeneinteilung für alle Länder:

Ländergruppeneinteilung

Beispiel: Herr Müller unterstützte seinen Vater in Bulgarien in 2017 mit einem Betrag in Höhe von 8.000 €. Da Bulgarien zur Ländergruppe 3 gehört, beträgt der abzugsfähige Unterhaltshöchstbetrag lediglich 4.410 €.

Zahlungen nachweisen – Vorsicht bei Bargeldübergaben

Grundsätzlich empfiehlt es sich die Unterhaltszahlungen zu überweisen, da die Nachweisbarkeit gegenüber dem Finanzamt so am einfachsten ist. Doch oft kommt es z.B. vor, dass der Empfänger über kein Bankkonto verfügt und die Unterhaltszahlung in bar übergeben wird. Hierbei ist es wichtig einige grundsätzliche Dinge zu beachten, um zu vermeiden, dass das Finanzamt den Abzug der Unterhaltszahlungen streicht, da die Nachweisbarkeit nicht gegeben ist.

Nachweise

  • Weisen Sie nach, woher das übergebene Bargeld stammt. Ein Kontoauszug mit der Abhebung des Betrages gilt als plausibler Nachweis.
  • Zwischen der Abhebung und der jeweiligen Geldübergabe muss ein Zusammenhang erkennbar sein und darf deshalb höchstens zwei Wochen betragen.
  • Weisen Sie die Übergabe des Bargeldes nach. Hierfür eignen sich z.B. Stempel im Reisepass, Flugtickets oder Tankquittungen.
  • Vermerken Sie den Zeitpunkt der Geldübergabe auf einer Quittung. Darin muss enthalten sein: Name und Anschrift des Unterhaltszahlers sowie des Unterhaltsempfängers, Zeitpunkt der Geldübergabe, Ort und Datum der Ausstellung der Bestätigung, Unterschrift des Empfängers.

Vorsicht bei Zahlungen zum Jahresende

Doch auch Unterhaltszahlungen per Überweisung haben ihre Tücken. Achten Sie daher auf den richtigen Zeitpunkt der Überweisung. Denn die Finanzverwaltung und auch der BFH sind der Auffassung, dass Unterhaltsaufwendungen nur abgezogen werden können soweit sie dem laufenden Lebensbedarf der unterhaltenen Person „im Kalenderjahr der Leistung“ dienen.

Beispiel: Herr Müller unterstützt seinen Vater in Bulgarien. Erstmalig überweist er einen Betrag im Dezember 2017 in Höhe von 5.000 €. Die Zahlung ist als Unterhalt bis zum 31.12.2018 bestimmt. Folge: Durch die Überweisung im Dezember 2017 gilt der Unterhalt als im Jahr 2017 abgeflossen und wirkt sich somit nur anteilig auf das Steuerjahr 2017 aus.

Unterhaltshöchstbetrag Bulgarien 2017
(Ländergruppe 3)
4.410 €
Davon abziehbar 2017 für einen Monat
(1/12 von 4.410 €)
367,50 €
Davon abziehbar 20180,00 €

Empfehlung

Verzichten Sie darauf Zahlungen für das Folgejahr, im Dezember zu leisten und überweisen Sie den Unterhalt für das betreffende Jahr immer frühestens Anfang des Jahres. Denn sonst entgeht Ihnen ein erheblicher Steuervorteil.

 

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